Es
ist kurz nach elf, die ersten Kinder trudeln im Kirchgemeindehaus
ein. Sie werden von den Geschichtenerzählerinnen empfangen,
deponieren Schulsack, Schuhe und Jacken bei der Garderobe und
schlüpfen in die Stoppsocken wie jeden Donnerstag seit Anfang
Jahr. Natürlich gibt es einiges zu erzählen von dem,
was am Morgen erlebt wurde. Als nächstes werden der Kopf
und die Nase in die Küche gestreckt. Auch die obligate Frage «Was
gits hüt z Ässe?» bleibt kaum aus.
«Ich koche sehr gerne für das Gschichte-Zmittag» erzählt
B. «Meine Kinder sind schon am Ausfliegen, ich erlebe es
zu Hause nicht mehr mit, wie lebendig das ist, wenn alle hereinkommen;
das geniesse ich. Ich finde es auch wichtig, dass die Kinder hier
in sozialer Hinsicht viel profitieren: warten, bis sie zum Schöpfen
an der Reihe sind, zusammen essen, teilen, das Geschirr selber abräumen.
Und natürlich, dass sie etwas von unserer Religion mit auf den
Weg bekommen mit den Geschichten.» Die Zusammensetzung der
Koch-Frauen-Gruppe ist übrigens faszinierend: Das Spektrum reicht
von der jungen Mutter mit ihrer einjährigen Tochter über
Mütter von Schulkindern bis zu bestandenen Grossmüttern.
«Dörfe mer jetz i d Gschicht?» fragt jemand
ungeduldig, hat sogar vergessen, dass es ja immer zuerst noch einen
Dessert gibt.
Das Gschichte-Zmittag ist ein Nachfolgeangebot für
die Sonntagschule. Die traditionelle Sonntagschule, die am Sonntagmorgen
stattfand, entsprach je länger je weniger einem Bedürfnis.
Die Suche nach einem anderen Tag und Zeitpunkt war schwierig: Musikunterricht,
Sport und andere Hobbies der Kinder nehmen einen grossen Teil der
Freizeit ein.
Die Idee des Gschichte-Zmittag begegnete uns an einer Tagung; wir
fanden sie nachahmungswürdig! Neben den zentralen Anliegen der
Sonntagschule (Hören von biblischen Geschichten, Lieder und
Gebete kennen lernen und Gemeinschaft erleben) ist der Mittagstisch
ein neuzeitliches, geschätztes Angebot. Die Antworten der Kinder,
warum sie sich angemeldet haben zeigen dies auch: J.: «De mues
i nid so wyt loufe, cha hie ässe und e Gschicht lose.» S: «Es
isch gäbig, de han i nid so ne wyte Heiwäg und dr Schuelsack
chan i au grad ir Schuel la. Aber elei wär i nid gange, i bi
froh, dass d N. und d E. au no chöme.»
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