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Das Besondere der Reformierten Kirche Ostermundigenbzurück

„Den Jugendlichen vertrauen und das Beste aus ihnen ans Licht zu bringen“

Im Rahmen der Veranstaltung „Die kirchliche Jugendarbeit ist etwas Besonderes!“ hat Patrick Huber im November des letzten Jahres in Köniz davon berichtet, wie die Reformierte Kirche Ostermundigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen Partizipations- und Einsatzmöglichkeiten bietet und wie diese begeistert davon Gebrauch machen.

Zwanzig Minuten hat Patrick Huber, Jugendarbeiter der Reformierten Kirche Ostermundigen, mit Herzblut über ihr Konzept „Spuren hinterlassen“, referiert. Zusammen mit einer sozialdiakonischen Mitarbeiterin, einem Pfarrer und einer Katechetin aus der Gemeinde hat er die Vision entwickelt, dass sich junge Menschen in verschiedenen Bereichen der kirchgemeindlichen Aktivitäten, als Freiwillige betätigen. Dieses Engagement belebe enorm und die Kirche werde als jünger und dynamischer angesehen. In einer Datenbank werden die jungen Einsatzwilligen und ihre Vorlieben und Fähigkeiten erfasst.

Damit wir anderen interessierten Multiplikatoren einen tieferen Einblick ins Schaffen von Ostermundigen geben können, haben wir Patrick Huber an seinem Wirkungsort besucht, haben uns die Räumlichkeiten zeigen und ihn von seiner Arbeit erzählen lassen.

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Trinkbecher, Gespräche und Töggelikästen

Patrick Huber ist seit zehn Jahren in Ostermundigen tätig und arbeitet zu hundert Prozent für die Kirchgemeinde. Er erteilt kirchlichen Unterricht, ist Jugendarbeiter und amtet als Ratssekretär. Er wohnt selber im Ort und sei froh, dass so seine Lebenswelten zusammen gehören. In seinem Büro, im Subparterre des Kirchgemeindehauses, steht ein Büchergestell voller beschrifteter Plastikbecher. „Ich habe eine offene Tür für Jugendliche und jeder kriegt bei mir jeweils zwei Becher Süssgetränke nach Wahl und Mineralwasser à discrétion. Und damit alle einen Teil von sich in meinem Büro stehen haben, beschriften sie ihren Becher, den sie dann bei den weiteren Besuchen jeweils raussuchen“, so Patrick. Die Räumlichkeiten des Kirchgemeindehauses sind auch sonst auf ein junges Publikum zugeschnitten: Wir zählen fünf Tischfussballkästen, einen Billardtisch, eine grosse Musikanlage, einen mit Liebe gestalteten Mädchenraum und einen Musikkeller, in dem momentan junge Frauen regelmässig zu Hip-Hop tanzen und junge Rapper ihren Sprechgesang weiterentwickeln. Und einmal pro Woche betreibt er einen Jugendtreff, da kommen zur Zeit vor allem ausländische Jugendliche, um abzuhängen, Musik zu hören, am Billardtisch oder Töggelikasten zu spielen und mit „Pädu“, wie alle Jugendlichen ihn nennen dürfen, zu diskutieren. Der Treff ist aber nicht das einzige Angebot, so gibt es die Möglichkeit für Jugendliche, ihre Partys und Discos in den Räumlichkeiten der Kirchgemeinde zu veranstalten und anfangs Jahr findet jeweils ein Wintersportlager statt.

Junge Menschen gestalten mit

Patrick hat gerade ein Ausbildungswochenende mit sechs jungen Menschen aus seiner Gemeinde hinter sich. Gemeinsam haben sie sich der Accos-Schulung, die von der Ref. Kantonalkirche Deutschfreiburg durchgeführt wird, angeschlossen. (www.accos.ch). „Zeitlich kam uns das Accos-Angebot entgegen“, sagte Patrick. Die step-Schulung, die die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn mit dem Cevi Region Bern im Februar und März anbiete, sei für sie terminlich nicht günstig gewesen.
Die sechs jungen Erwachsenen hatten bereits ihr freiwilliges Einsatzgebiet gewählt und wurden nun auf ihren Rollenwechsel, vom Teilnehmenden zum Leitenden, vorbereitet. Sie werden später das Wintersportlager mitleiten, Familiengottesdienste mitgestalten, die Sonntagschule mitprägen und den Konfirmationsunterricht mitvorbereiten und Teile selber anleiten.
Aber auch am letztjährigen Weihnachtsgottesdienst haben Junge mitgewirkt. Sie spielten kleine Theater-Szenen und formulierten die „Fürbitte“. Damit Jugendliche bereit sind, mitzutun, brauche es tragfähige Beziehungen, der Aufwand müsse sich in Grenzen halten und man müsse sich ihrem Rhythmus anpassen, meinte Patrick. Und so habe er den Jugendlichen von seinem Vorhaben erzählt und sie erst kurz vorher um eine verbindliche Zusage angefragt. In zwei Sitzungen und einer Hauptprobe haben sie dann gemeinsam ihren Teil des Gottesdienstes vorbereitet. Bei den gemeinsamen Treffen habe er sie jeweils mit Vanillegipfel oder Schokoladenbiskuits verwöhnt. Neben Jungen, die bereit sind, sich zu engagieren, brauche es auch Pfarrpersonen, die ein Mittun anderer begrüssen, die die Bereitschaft haben, Macht abzugeben, um letztlich der Gemeinde zu dienen. „Natürlich ist es immer auch ein Wagnis, man gibt schliesslich Teilbereiche aus der Hand und weiss nicht, wie es heraus kommt“, äusserte sich dazu Patrick. „Aber ich vertraue den Jugendlichen, bin von ihrem Potential überzeugt und sehe meinen Part darin, dieses Beste, das bereits in ihnen ist, ans Licht zu bringen.“
Grundsätzlich habe er damit, Jugendliche und junge Erwachsene in die „Nachfolge zu nehmen“, etwas gefunden, von dem er überzeugt sei und das die Gemeinde enorm bereichere. Es erhalten alle konfirmierten Jugendlichen einen Flyer, auf dem die Bereiche, bei denen sie Verantwortung übernehmen können, aufgeführt sind. Aber sie sprächen direkt geeignete Jugendliche an. „Es wirkt halt anders, wenn der Pfarrer einem Jugendlichen sagt, der Pädu habe ihn empfohlen“, so Patrick Huber.
Anfragen ans Mitgestalten sähen diese dann als Wertschätzung. „Schon heute mache ich eine andere Dynamik aus: Es wird zur Ehre, bei uns mitzutun und wir finden für alle Sparten jetzt schon begabte Jugendliche“, bemerkte Patrick weiter.
Diesen Weg wolle Ostermundigen weitergehen. Ob mit oder ohne ihn. Patrick Huber ist daran, die Heimleiterausbildung zu absolvieren und wird in Kürze die Ratssekretäraufgaben abgeben und ist interessiert, später als Heimleiter zu wirken.

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